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Das Enterprise Europe Network ist, mit Vertretungen in mehr als 60 Ländern, das weltweit größte Netzwerk von Informations- und Beratungsstellen für die Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) auf dem Weg in internationale Märkte.

Es bietet auf regionaler Ebene praktische und weitestgehend kostenfreie Unterstützung bei der Organisation von Geschäfts-, Technologie- und Projektpartnerschaften in Europa und darüber hinaus.


Neuigkeiten

Der ideelle Mehrwert einer medizinischen Fortbildungsplattform: Ein Gespräch mit Dr. Sergej Popovich von Mammologicum

Mammologicum ist eine einzigartige internationale Online-Fortbildungsplattform für Mammologen, die 2021 von Radiologe Dr. Sergej Popovich (Evidia Rahlstedt) und Nikolay Ivanov gestartet wurde und sich in kurzer Zeit zu einer Gemeinschaft von rund 2000 Brustradiologen entwickelt hat. Der Austausch über die praktische Selbstanalyse der Bilder ist für die Karzinomerkennung von entscheidender Bedeutung. Das weitgehend kostenfrei nutzbare Programm verbindet das fundierte theoretische Wissen bekannter Mammologen mit einer umfangreichen Datenbank hochwertiger Fälle zur Selbstevaluierung und bietet Echtzeit-Feedback sowie Live-Diskussionen in Online-Webinaren.

Das Enterprise Europe Network HH/SH hat mit Dr. Sergej Popovich über seine Gründungsmotivation hinter Mammologicum, die internationale Zusammensetzung des Projektes, EU-Förderung und die fachliche sowie normative Unterstützung durch das EEN HH/SH gesprochen.

 

1. Welche Zielvorstellung hat Ihre Gründung von Mammologicum initial motiviert?

Als Mediziner und Radiologe habe ich mich vor 10 Jahren auf die Diagnostik von Brusterkrankungen spezialisiert und 10 Jahre in einem Brustzentrum gearbeitet. Ich habe seit Langem sehr enge Kontakte zu verschiedenen Bildungseinrichtungen hier in Deutschland gepflegt, ebenso wie in der Ukraine, insbesondere in Odessa, wo ich studiert habe. Auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird hier in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sehr viel Wert gelegt. Die damit verbundene Gewissheit, als Radiologe nicht auf sich allein gestellt zu sein, sondern sich fortlaufend im Austausch sowohl mit Kolleginnen und Kollegen als auch anderen medizinischen Disziplinen zu befinden, gerade auch bei schwierigen Fällen, darüber hinaus die Standardisierungen und Untersuchungsprotokolle sind in der Form wie hier in Deutschland in anderen Ländern, wie beispielsweise der Ukraine, nicht zwangsläufig vorhanden. Aus diesem Grund haben wir im Dialog mit Kolleginnen und Kollegen weltweit unser Konzept einer Online-Plattform, auf der die Fachleute sich überall auf der Welt treffen, fachlich austauschen, weiterbilden und vernetzen können, entwickelt. Vor ungefähr zweieinhalb Jahren ist dann das Netzwerk, das die Grundlage von Mammologicum bildet, entstanden.

2. Welche (internationalen) Kooperationen stehen hinter Mammologicum, wie ist das Projekt strukturell aufgebaut?

Mammologicum ist eine internationale, interdisziplinäre Zusammenarbeit. Schon im Vorfeld der Entwicklung habe ich mich ganz früh mit anderen Expertinnen und Experten vernetzt und arbeite in dem Projekt mit sehr bekannten Kollegen wie Professor Laszlo Tabar (Falun, Schweden) und Professor Uwe Fischer (Göttingen) zusammen. Während Laszlo Tabar beispielsweise bereits in den 1970er Jahren Screening-Programme für Brustkrebs etabliert und somit Pionierarbeit in diesem Fachbereich geleistet hat, begann Prof. Fischer schon in den 1980er Jahren mit Brust-MRT, was damals noch eine vollkommen neue Praxis war, die er dann hier in Deutschland aktiv vorangebracht hat. Ärzte aus ganz Deutschland kommen beispielsweise zu seinen jährlichen Fortbildungen nach Göttingen, um MAMMA-MRT zu lernen. Professor Pascal Baltzer aus dem Fachbereich der Radiologie (Wien) ist ebenfalls Teil des Teams von Mammologicum. Ich baue somit kontinuierlich ein sehr breites Netzwerk auf, um langfristig über eine wissenschaftliche Basis zu verfügen, von der ausgehend zukünftige Projekte entstehen können. Wir konnten bisher schon sehr viel Expertise bündeln, aber das Ziel besteht in einer noch besseren Strukturierung, beispielsweise über den Austausch von ganzen Bildern, über ein digitales Atlas-Tool und mit KI-Unterstützung – es gibt einfach so viele Möglichkeiten.

Unsere Vision ist es, über unser Netzwerk langfristig auf internationaler Ebene gleichgesinnte Expertinnen und Experten zusammenzubringen und in Sekundenschnelle Zugang zu Bildmaterial, welches bereits von Medizinerinnen und Medizinern fachlich kommentiert und bewertet worden ist, zu ermöglichen. Von der breiten wissenschaftlichen Basis unserer kooperativen Plattform sollen möglichst viele andere Kolleginnen und Kollegen weltweit profitieren. Unsere Datenbank soll hierbei langfristig nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern zu jedem Bild auch Verknüpfungen zu thematisch jeweils relevanten Vorlesungen und Vorträgen beinhalten, um darauf aufbauend fachspezifische Schulungen anbieten zu können und zielgerichtetes Lernen im Bereich der Brustkrebsforschung zu fördern.

Die Integration einer Patientenschule ist ebenfalls geplant, um auch die Patientinnen einbinden zu können. Hierzu arbeiten wir gerade gleichzeitig mit mamazone und Kolleginnen und Kollegen, die hier in Deutschland Brustzentren leiten.

3. Im Rahmen welcher Programme haben Sie sich bereits um EU-Förderung beworben?

Auf der Suche nach passenden Fördermöglichkeiten haben wir, basierend auf unseren aktuellen Anforderungen, alle verfügbaren Programme analysiert. Im Rahmen des Klinikpatenschaftsprogrammes der GIZ sowie in Form unserer kooperativen Plattform arbeiten wir gegenwärtig bereits an zwei Projekten. Unabhängig davon ist, da wir mit Bildern zusammenarbeiten bzw. diese für unsere Forschungszwecke austauschen, Datenschutz für uns von höchster Priorität. Wir haben daher die Eurostars-Förderlinie des EUREKA-Programmes ausgewählt, da sie perfekt zu unseren Bedürfnissen passt. Wir bereiten den Antrag zur Zeit gemeinsam mit dem Enterprise Europe Network HH/SH gründlich vor und reichen ihn im kommenden Frühjahr ein.

4. Wie sind Sie auf das EEN HH/SH aufmerksam geworden und welche Dienstleistungen haben Sie bisher in Anspruch nehmen können?

Während der Suche nach passenden Förderprogrammen habe ich mit Dr. Ruth Schaldach von der IFB Hamburg gesprochen und sie hat mich über die grundsätzliche Struktur sowie die Beratungsleistungen des Enterprise Europe Networks informiert. Gemeinsam haben wir uns verschiedene Förderoptionen angesehen und dann Eurostars als das für Mammologicum am besten passende Förderprogramm ausgewählt.

5. Welche konkreten Fortschritte haben Sie mit Hilfe der Beratungsleistung des Netzwerkes bei der Entwicklung von Mammologicum zum jetzigen Zeitpunkt erzielt?

Wir arbeiten schon seit einigen Monaten mit Ruth zusammen und der Kontakt zum Enterprise Europe Network hat uns bereits jetzt absolut weitergeholfen. Die Beratung und der Austausch waren für uns sehr hilfreich, um unsere Idee selbst noch besser zu verstehen und ein bisschen zu präzisieren. Als Gründer hat man zwar konkrete Vorstellungen zu seinem Vorhaben und weiß, wie man es umsetzen kann, aber zusätzlich mit jemandem zu sprechen, der täglich routiniert viele Projekte durchsieht, hat mir sehr geholfen, das eigene Anliegen noch einmal besser einzuordnen.

Als Teil dieser Eigenreflektion des Projektes haben wir die schon über 2000 Ärztinnen und Ärzte im Netzwerk von Mammologicum zu ihren Wünschen und ihrem Unterstützungsbedarf befragt, wodurch wir nun beispielsweise in der Lage sind, die Idee des Atlas-Tools noch genauer zu präzisieren. Das war sehr wertvoll für uns. Wir werden einen elektronischen Atlas für die Ärztinnen und Ärzte als zentrale Komponente von Mammologicum aufbauen, in dem schon viele Aufnahmen geladen und strukturiert sind, und auf den man als Datenbank zugreifen kann. Als Pendant zu und anstelle von Google kann man dann in dieser spezialisierten, vorbereiteten Plattform nach wissenschaftlich fundierten Antworten und Hinweisen suchen.

Darüber hinaus ist es enorm motivierend, wenn Menschen, die so wie Ruth in der Projektberatung arbeiten und schon viele Vorhaben gesehen haben, an dich glauben. Wir haben uns in Abständen von zwei bis drei Wochen regelmäßig getroffen und sie hat mich immer motiviert, unser Projekt in jedem Fall umzusetzen und unbedingt daran festzuhalten. Solche aufbauenden Worte sind extrem wichtig und ein wertvoller zusätzlicher Ansporn.

6. Was können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bzw. generell Expertinnen und Experten, die ein ähnliches Projekt aufbauen möchten, von Ihrer Gründung lernen?

In turbulenten Zeiten wie diesen ein neues Projekt zu starten, ist nicht einfach. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass neue Unternehmerinnen und Unternehmer Angst davor haben, ein Vorhaben zu beginnen, oder nach einer steinigen Wegstrecke geneigt sind, alles hinzuwerfen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich allerdings zwei wichtige Aspekte hervorheben: Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt, um zu starten. Das ideale Zeitfenster ist jetzt, nicht morgen, nicht wenn mehr Zeit oder Geld vorhanden ist. Und wenn du das Gefühl hast, dass du nicht weitermachen kannst, gib nicht auf. Mache heute 5 Schritte oder zumindest einen Schritt, aber beweg dich in jedem Fall vorwärts. Wenn die Idee zu 100% deine ist, wirst du nicht müde. Zeit, Energie und Finanzierung werden sich finden. Glaube an dich selbst, an das Glück und an die Unterstützung deines Umfelds!

 

Bild: Dr. Sergej Popovich 2023


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