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Erfolgs­beispiel

Von Italien in den Harz: Neue Impulse für den Tourismus in Stolberg

Von Italien in den Harz: Neue Impulse für den Tourismus in Stolberg

In Stolberg/Harz, der einzigen Stadt Deutschlands, die vollständig unter Denkmalschutz steht, sieht der Verein „Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e.V.“ im Konzept des Albergo Diffuso eine vielversprechende Möglichkeit, den Herausforderungen von Fachkräftemangel, Abwanderung und Leerstand zu begegnen. Der Verein vereint lokale Akteure aus Gastronomie, Hotellerie und touristischer Infrastruktur, die gemeinsam nach neuen Wegen für eine nachhaltige Tourismusentwicklung suchen.

Über die Pro Harz Tourismus und Marketing GmbH wandten sich interessierte Mitgliedsunternehmen des Vereins an das Enterprise Europe Network (EEN) Sachsen-Anhalt und baten um Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu Tourismusbetrieben, die das Konzept des Albergo Diffuso bereits erfolgreich umsetzen. Schnell wurde deutlich, dass eine Übertragung des Modells auf Stolberg zahlreiche Fragen aufwarf – von rechtlichen Rahmenbedingungen über die Einbindung lokaler Akteure bis hin zu Marketingstrategien. Um Antworten aus erster Hand zu erhalten, sollte der direkte Austausch mit erfahrenen Akteuren im Ursprungsland des Konzepts ermöglicht werden.

Das EEN Sachsen-Anhalt recherchierte umfassend zum Albergo-Diffuso-Modell und nutzte sein internationales Netzwerk, um geeignete Ansprechpartner zu finden. Über die IHK Magdeburg wurden die EEN-Partner in Italien und der Schweiz eingebunden. In Norditalien unterstützten die Handelskammer Turin sowie Unioncamere Piemonte die Initiative. Gemeinsam wurden Kontakte zur Region Piemont, die für die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Albergo Diffuso zuständig ist, zur ISTUD Business School sowie zu mehreren Tourismusbetrieben geknüpft, die das Konzept erfolgreich umgesetzt haben. Unter anderem wurden Besuche und Austauschformate mit den Betrieben „Pernice Bianca“ und „Agriturismo La Tensa“ organisiert.

Parallel dazu wurde über Switzerland Global Enterprise, den Schweizer EEN-Partner, der Kontakt zur Stiftung Fondazione Corippo 1975 hergestellt. Diese betreibt das Konzept Albergo Diffuso im Tessiner Dorf Corippo, dem kleinsten Dorf der Schweiz. Da Corippo geografisch nahe an den geplanten italienischen Besuchen lag, bot sich die Möglichkeit, unterschiedliche Umsetzungsansätze direkt miteinander zu vergleichen.

Aufgrund der engen Zusammenarbeit des Vereins mit der Hochschule Nordhausen wurden zudem die EEN-Partner der IHK Erfurt in Thüringen in die Vorbereitungen eingebunden.

Vom 15. bis 19. Oktober 2025 fand schließlich die Company Mission nach Italien und in die Schweiz statt. Neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen standen vor allem der Erfahrungsaustausch mit Tourismusorganisationen sowie Besuche bei Betrieben im Mittelpunkt, die das Albergo-Diffuso-Modell bereits erfolgreich praktizieren. Die Teilnehmenden erhielten dabei wertvolle Einblicke in organisatorische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte der Umsetzung.

Nach der Rückkehr wurden die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit dem Tourismusverband Sachsen-Anhalt, dem EEN Sachsen-Anhalt und weiteren regionalen Akteuren ausgewertet. Zudem fanden Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt zu möglichen Fördermöglichkeiten statt. Derzeit wird daran gearbeitet, die Erfahrungen aus Italien und der Schweiz auf die Gegebenheiten in Stolberg zu übertragen und konkrete Umsetzungsschritte vorzubereiten.

Das Konzept Albergo Diffuso eröffnet neue Perspektiven für die touristische Entwicklung der Region. Es kann dazu beitragen, leerstehende Gebäude wiederzubeleben, lokale Unternehmen enger zu vernetzen und zusätzliche Wertschöpfung in der Region zu schaffen. Gleichzeitig werden regionale Produzenten, Dienstleister und Gästeführer in ein gemeinsames touristisches Angebot eingebunden. So entsteht ein ganzheitliches und nachhaltiges Tourismusmodell, das die Identität des Ortes bewahrt und Besucherinnen und Besuchern authentische Erlebnisse ermöglicht.

Hintergrund: Albergo Diffuso

Das Konzept „Albergo Diffuso“ entstand in Italien und verfolgt das Ziel, historische Ortskerne und ländliche Regionen durch nachhaltigen Tourismus zu beleben. Anstatt ein neues Hotel zu errichten, werden bestehende Gebäude und leerstehende Häuser zu einem dezentralen Hotelverbund zusammengeführt. Die Gäste wohnen in verschiedenen Gebäuden innerhalb eines Ortes, während zentrale Dienstleistungen wie Rezeption, Gastronomie oder Gästebetreuung gebündelt angeboten werden. Auf diese Weise bleibt das lokale Leben erhalten, die bestehende Bausubstanz wird genutzt und Tourismus wird zu einem integralen Bestandteil der Gemeinschaft.

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